EINZELAUSTELLUNG IN VENEDIG

PALAZZO BARZIZZA TORRES
VENEZIA S.POLO 1173
September/Oktober 1990

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Palazzo Barbiza Torres /Venedig

Rezension Enzo Di Martino

Die imaginative Obsession des bildenden Künstlers ist die dauerhafte und entgültige Ausfüllung des Raums mit einer seiner Vorstellung entspringenden und zuvor inexistenten Form

Diese Form führt ein eigenes Leben, ist aber darauf angelegt, mit unbekannten und unvorhersehbaren Elementen wie Umwelt und Natur in Wechselwirkung zu treten, zuweilen sogar mit der Zeit.
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Für den Bildhauer gewinnt das Werk damit die Eigenschaften einer dauerhaften und endgültigen Installation, es nimmt gewissermaßen den Raum in Besitz, was letztendlich auch seinen erklärten Machtwunsch verrät.
In der Bildauerei ist der Bezug zwischen dem Augenblick der Formwerdung und dem Moment der gedanklichen Schöpfung viel komplexer, als man sich vorstellen kann, da das Werk erst in dem Augenblick Form annimmt, in dem es seine konkrete Existenz erlangt, womit die vorbereitenden Entwürfe auf die Funktion einer einfachen "Materialsichtung" verwiesen werden.
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Vielleicht macht sich der Bildhauer selbst dann, wenn er Monumente schafft, kein Bild von der Erscheinungsform, sondern verfügt, stattdessen über das Konzept für "kreativen Vorgang", d.h. die Manifestation eines Ereignisses, das er sich nicht, wieder zu eigen machen kann und das die Szene, in der es seinen Platz findet, endgültig verändert.

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Alle diese Überlegungen erscheinen vor dem bildhauerischen Werk Karsten Klingbeils schon fast zu offenkundig, denn seine "Ideologie" der Kunst, die er als ein "starkes", bleibendes und dauerhaftes Ereignis der Imagination versteht, ist klar.

Die Intention wird deutlich, wenn man einerseits die spezifisch bildhauerischen Aspekte seiner Arbeit betrachtet und andererseits bei ihm eine Art expressives "Nomadentum" bemerkt.

Dieser zweite Aspekt ist vielleicht der am stärksten einnehmende an Klingbeils Werk, und es erscheint vereinfachend, wollte man ihn lediglich mit der langen Unterbrechung seiner Tätigkeit erklären und dem jetzt daraus entspringenden Wunsch, alles zu beweisen und alles auszuprobieren.
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In Wahreit besitzt Klingbeil vielmehr ganz offensichtlich eine Art von "geschichts- und erinnerungsbeladenem" Instinkt, den er in ein einfaches Ausgdrucksbedürfnis umsetzt

Die Klassik eines Donatello und die realistische Lektion der amerikanischen Pop-art, der Exotismus und die Mythologie, gewisse Liberty-Bezüge und die psychologische Introjektion der Bildnisse - all dies sind Elemente, deren Klingbeil sich bedient. Wie es scheint, ist dies für ihn ein reiner einfacher, aber expressiver Vorwand, den er überlegt nutzt.

Zur Erschaffung seiner Skulpturen bedient er sich außerlicher Anregungen, die er mit Charme und Zauber bei der Ausübung seines "Rechts auf Darstellung ihrer Wirklichkeit" erfüllt.

Bemerkenswert ist hier, wie es dem deutschen Künstler gelingt sein "Nomadentum" immer wieder auf eine absolut unverwechselbare und persöniche, expressive Handschrift zurückzuführen, auf eine Art "bildhaerische Kalliographie", die allein ihm eigen ist. Das von Klingbeil bevorzugte material selbst, die Bronze, wird ihm übrigen in einer anscheinend widersprüchlichen Weise verwendet, indem er zuweilen ihren schleichelnden Glanz hervohebt, sie zuweilen mit fleckenhafter Patina überzieht und schließlich sogar bestimmte Accessoires einbezieht
In Wahrheit aber hat Klingbeil als echter Bildhauer zwei in der Kunstgeschichte und für seine Arbeit fundamentale Faktoren stets vorAugen.

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Zum eine die Farbe - ein für die Skulptur der Vergangenheit außordentlich wichtiges Element, daß heute unvertändlicherweise fast völlig ungebräuchlich is - un zum anderen das Licht, das eigentliche element, mit dem und für das die skulptur lebt.
So führt denn auch die Idee des Lichts im Werk Klingbeils zu einem besonderen Raumkonzept, ja zu einer Vision des Râumlichen Ambiente, in dessen Innerem das bildhauerische Ereignis sich manifestieren kann. Das heißt, der Raum gewinnt für Klingbeil fundamentalen Wert, da er der Ort ist, an dem sich das Werk vergegenständlicht, aber auch der Ort seiner emotionellen Expressivität, das Feld der Freisetzung vitaler Impulse und der Konkretisierung seiner Imagination.
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In diesem sinne wird offenbar, daß für den deutschen Künstler "das Kunstkonzept mit seinem Kunstwerk mit dem Kunstkonzept koinzidiert".
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Es ist, mit anderen Worten, diese "Ideologie", der sein "formales Nomadentum" entspringt, denn das, was für Klingbeil letzendlich wichtig ist, ist allein, "die Existenz und die Essenz des Werkes" ; welchen Weg aucid es im Augenblick seines Inerscheinungstretens auch trägt ! Bedeutsam ist, so scheint Klingbeil sagen zu wollen, daß wie beim schmelzen der Bronze, das Werk eine "hohe" Temperatur erreicht - mit einem Wort, "die Temperatur der Kunst".

Ernst Fuchs

< Karsten Klingbeil führt Ernst Fuchs bei seiner Austellung.

 

Die skulpture Salome, steht vor der Wagner Haus in Wien >

Ernst Fuchs

PRESSE

Pressartikel
Ernst Fuchs
BZ Artikel

Bericht von der http://www.kulturingenieure.com

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